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Kolchis XVII

Space Marine

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21

07.07.2017, 19:58

Kapitel XV


Spoiler


XV



- Immaterium -
In Transit
Im Strategium der Mirage

„Das ist eine Kunst, Darius.“ Der Inquisitor achtete genau auf die Menge der grünen Flüssigkeit, die er in den Messbecher goss. „Da darf man keinen Fehler machen.“ Vorsichtig mit einer Pinzette nahm der Inquisitor einzelne Kristalle auf und zählte laut mit als er sie in den Shaker fallen ließ „…sechs…sieben…acht. Genau zwei Kristalle pro 100 ml. Dann anstellen…“, der Shaker fing an zu brummen und Flüssigkeit und Kristalle wirbelten durcheinander, „und warten bis sich die Kristalle aufgelöst haben – man sieht es an dem leichten Farbumschlag…“ Das Gemisch im Shaker nahm einen helleren Grünton an. Inquisitor Steinbrecht stellte das Gerat ab und verteilte das Gemisch auf zwei mit einer klaren Flüssigkeit gefüllte Messbecher. „Jetzt nur noch anzünden…“ aus den Bechern schossen Stichflammen, „dann auspusten – und sofort runter damit!“ Steinbrecht und Darius pusteten die grün/gelben Flammen aus und stürzten jeweils den Inhalt eines Bechers direkt in die Kehle.

„Und jetzt tief durchatmen und an der Bar festhalten…“ Darius schnalzte mit der Zunge. „Interessanter Geschmack. Aber ich verstehe nicht genau was dassoll… ischspürr nixund hahallall…“ Darius musste sich an der Bar festhalten. Die Knie wurden weich wie Butter, der Raum drehte sich und seine Kehle brannte. Steinbrecht hielt sich krampfhaft an der Bar fest und grinste den Marine mit blutunterlaufenen Augen schief an. „Dollesseug…machnnn…die..hom…homo…Hormone! Einssigge..wag..wig..Weg! Fürnn.. Astas.. Tatas… Taras… Marine! nen Rauschzukriggen…“

Die nächsten paar Minuten keuchten die zwei Säufer sich über den Tresen an, bis dann langsam die auf Hochtouren arbeitenden Biofilter den Alkohol aus dem Blut katapultierten. „Das… das… ist unglaublich. Hab ich noch nie erlebt…,“ stotterte Darius. Auch der Inquisitor war leidlich mitgenommen. „Ja. Ja. Der Hormoncocktail unterdrückt die Filterfunktion und lässt eine Alkoholkonzentration so um 1,5 Promille für etwas sechs Minuten zu. Das ist ja das Problem für alle die mit solchen Organen gesegnet sind. Ein normaler Rausch ist vollkommen unmöglich. So schnell kann man sich den Alkohol gar nicht geben als das man etwas spüren würde. Deswegen ist das Mischungsverhältnis zwischen Hormonkristall, Aktivator und Alkohol so wichtig. Zu wenig aktiviertes Hormon und man merkt nix, zu viel und man hat eine ausgewachsene Alkoholvergiftung…,“ Steinbrecht schnippte gegen seinen Glasbecher, „ist schließlich 98% pur.“

Darius sank in seinen Sessel am Besprechungstisch. „Was für eine… einzigartige… Erfahrung. Aber ich wollte eigentlich über etwas anderes mit Ihnen sprechen. Sie wissen was Beor da unten in seiner Werkstatt zusammenschraubt?“ Der kleine Mann setzte sich ihm gegenüber. „Ja. Ist das ein Problem?“ „Blasphemie?“ Steinbrecht winkte gelassen ab. „Kein Problem. Auch wenn es nicht so aussieht habe ich das Tun und Treiben unseres Wolfs doch sehr genau im Auge.“ „Aber so eine Technologiesynthese… das ist doch widernatürlich – wenn nicht sogar gefährlich!“ Inquisitor Steinbrecht hob den Finger. „Widernatürlich – das mag sein. Aus Sicht des Mechanikums ganz sicherlich. Da bin ich Imperator sei Dank toleranter. Mich interessiert eher das Ergebnis. Gefährlich? Ganz sicher nicht. Sonst hätte ich nicht meine Zustimmung gegeben.“

Darius rieb sich das Kinn. „Aber Tau-Drohnen? Das ganze Volk ist mir suspekt.“ Steinbrecht schmunzelte. „Zugegeben, ihr Beharren auf dem so genannten ‚Höheren Wohl‘ erscheint doch ein wenig sehr naiv in Anbetracht der harten Realität des Universums, was ihre technische Leistungsfähigkeit jedoch in keiner Weise schmälert. Beor hat da schon auf ausgesprochen wirkungsvolle Technik zurückgegriffen.“ „Trotzdem…“ „Na, na, na Darius, machen sie sich da mal keine Sorgen. Tau-Technologie ist zur Abwechslung nun einmal wirklich banal – was ihre Maschinengeister angeht. Die sind vom Prinzip her nicht darauf ausgelegt eigenständig im Sinne eines eigenen Bewusstseins zu operieren – sie sollen den Anwender unterstützen und entlasten. Ihre Handlungsoptionen sind, obwohl komplex und durchaus auch lernend angelegt, eng begrenzt – diese Technologie wird sich nie gegen ihren Anwender wenden. Von daher sehe ich keine Gefahr sie einzusetzen.“

Darius war nur mäßig überzeugt. „Ich bleibe skeptisch. Was ist mit diesem Ork-Modul?“ Steinbrecht rieb sich seinen Bart. „Tja… das ist zugegebenermaßen etwas anderes. Betrachten sie es als Experiment. Ork-Technologie ist eigentlich mein Steckenpferd. Ich beschäftige derzeit mit Tyraniden nur aus der Not heraus. Mich fasziniert die Tatsache, dass Ork-Technologie nur in den Händen eines Orks sicher funktioniert. Wieso ist das so?“ Darius zuckte mit den Schultern. „Wieso?“ Der Inquisitor rollte mit den Augen. „Dafür gibt es keine eindeutige Erklärung. Sie haben schon mit Golianth gesprochen? Er hat den Plunder vorgeführt? Absolut faszinierend – es gibt keine physikalische Erklärung dafür.“ „Sie haben eine Theorie, stimmts?“

Steinbrecht rieb sich die Hände. „Oh ja, obwohl ich sie in keiner Weise belegen kann. Schauen sie, ein Ork ist eigentlich nur eine biologische Kampfmaschine. Sie wurden so genetisch designed, nach allem was wir wissen. Die Orkoiden Rassen sind die Überreste einer längst untergegangenen Kultur - die sich selbst reproduzierenden, ihrer ursprünglichen „Programmierung“ immer noch folgenden Wächterorganismen einer Spezies die vermutlich schon vor hunderttausenden von Jahren gänzlich verschwunden ist. Von dieser Kultur hat so gut wie nichts überdauert – bis auf diese absolut genial designten Kampfmaschinen. Äußerst robust, an jedes Klima anpassungsfähig, direkt, brutal, unabhängig, sich sehr schnell vermehrend – wenn das schon alles wäre, und man ihnen nur noch Knüppel in die Hände drücken müsste, wären sie schon eine geniale Schöpfung. Aber ihre Schöpfer sind noch zwei Schritte weiter gegangen. Zuerst haben sie ihren Kampfmaschinen auch noch ein intuitives Technologieverständnis angedeihen lassen, dass seines Gleichen sucht. Intellektuell ist ein Ork eigentlich nicht in der Lage eine Mutter auf eine Schraube zu drehen. Trotzdem bauen sie aus fast nix ihre eigenen Waffen und sind in der Lage warpfähige Raumschiffe aus Schrott zu konstruieren.“

Der Inquisitor bebte fast vor Erregung. Hier trat der Dozent, der Forscher in ihm voll zu Tage. „Aber das ist noch nicht alles. Die Schöpfer haben noch zusätzlich einen fail-safe Mechanismus eingebaut, der dafür sorgt, dass alles von den Wächterorganismen geschaffene auch nur von Ihnen genutzt werden kann. Es kann kein „Technologietransfer“ stattfinden. Man kann sie gegen einen Raumsektor loslassen, ohne das Risiko dass die dort vorhanden Spezies, möglicherweise technologisch unterentwickelt, sich nach einem Sieg gegen die Grünhäute die Technik der Orks aneignen und dann irgendwann mit warpfähigen Schiffen aufkreuzen. Einfach genial.“

Darius hatte fasziniert zugehört. Er hatte keine Erfahrung mit den Grünhäuten und war umso überraschter ob ihres möglichen Hintergrunds und der sich daraus ableitenden taktischen Beurteilung ihrer Fähigkeiten. Er griff sich ein Glas Fruchtsaft vom Tablett eines um den Tisch kreisenden Servitors und fragte dann gezielt nach: „Dieser Mechanismus – wie funktioniert er?“ Ignatz warf die Hände in die Luft. „Ehrlich gesagt – keine Ahnung! Aber es hat etwas mit dem psychischen Feld zu tun, das alle Grünlinge generieren.“ „Psychisches Feld?“ fragte Darius und hob dabei eine Augenbraue. „Ja, ebenfalls eine absolute Besonderheit in dieser Galaxis, da einzigartig – und vermutlich genau so genial von den Schöpfern dieser Kreaturen erfunden. Schauen sie – die psionische Aktivität eines Menschen, oder fast jedes anderen intelligenten Wesens in dieser Galaxis, entspringt – ganz grob formuliert, dem Echo der Emotionen dieses Wesens im Warp. In diesem Sinne haben Grünlinge keine Emotionen, denn sie haben kein Echo im Warp – ähnlich dem Nullfeld eines Blanks – wie z.B. der Sisters of Silence des Imperators. Aber doch wieder ganz anders. Ein Grünling generiert so lange er lebt ein vom Warp unabhängiges, eigenes psionisches Energiefeld – und dieses Feld ist sich selbst verstärkend sobald es sich mit den Feldern anderer Grünlinge überlagert. Es sorgt dafür dass sich die Grünlinge sammeln und dann zwangsweise in einer Hackordnung organisieren – eine Voraussetzung für militärische Operationen. Wieder ein genialer Schachzug. Orks sind nur glücklich in der Nähe anderer Orks – und je mehr es sind umso besser – das sich aufbauende Feld verstärkt die Aggressionen und Glücksgefühle der Grünlinge bis zu einem Punkt wo sich diese gesteigerte Aggressivität gegen einen Gegner entlädt – oder gegen sich selbst, wenn kein Gegner da sein sollte.“

Darius schaute auf seinen Chrono. Die nächste Kommandobesprechung würde in ein paar Minuten beginnen. „Dieses Feld sorgt also dafür, dass sich die Grünlinge Zusammenrotten, organisieren und dann auf Kriegszug gehen?“ „Ja. Vergiss nicht, es sind genetisch entwickelte Kampfmaschinen. Betrachte sie eher als Kampfservitoren. Die Freude am Kampf ist ihr Programm. Dazu sind sie da.“ „Faszinierend.“ „Ja, aber es geht noch weiter. Dieses Feld sorgt offensichtlich nicht nur für die grundsätzliche Organisation, sondern auch noch für die Optimierung der Kommandostruktur - indem es dazu beiträgt das erfolgreiche Orks schneller wachsen und massiger werden als ihre Nebenbuhler. Da sie permanent wachsen und nach allem was wir wissen auf natürlichem Wege, also durch Altern, nicht sterben, führt das dazu dass sich die Organisationsstruktur eines Ork-Haufens durch Rangkämpfe ständig optimiert, indem die wildesten, intelligentesten Individuen immer schneller wachsen und sich somit an die Spitze setzen. Ich kann es nur immer wieder sagen – ein absolut geniales System. Selbstorganisierend, selbst optimierend, unabhängig und absolut zuverlässig. Das ‚Grüne Feld‘ der Orkoiden ist mit ziemlicher Sicherheit das am weitesten entwickelte Kommando-, Kontroll- und Sicherheitssystem für Kampfmaschinen in dieser Galaxis.“ Der Inquisitor lehnte sich in seinem Sitz erschöpft zurück, strich sich den Schweiß aus der Stirn und nahm einen tiefen Schluck Fruchtsaft. Sein Vortrag hatte ihn leidenschaftlich erregt.

„Und sie sagen es sorgt auch noch dafür, dass ihre Technologie funktioniert?“ Steinbrecht lächelte. „Ja, dass vermute ich. Ich glaube diese Punkte der Programmierung gehen Hand in Hand. Ihre Genprogrammierung sorgt dafür, dass die Orks fast funktionale Gegenstände konstruieren, die dann durch das Feld ihren letzten Schliff, ihre Funktionsfähigkeit erlangen. Kein Feld – keine Funktionalität der Technologie – ein simpler fail-safe Mechanismus.“ „Und wenn man verstehen würde wie das genau funktioniert, könnte man das aushebeln, und sich die Technik der Orks, zum Beispiel Kraftfelder, zu Nutze machen?“ „Genau. Deshalb habe ich Beor erlaubt den Verstärker einzubauen, unter der Bedingung ihn an eine Überwachungsmatrix anzuschließen, die über 100 Parameter detailliert erfasst und aufzeichnet. So hoffe ich diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen.“

Darius ließ sein Glas durch die Hände rollen. „Könnte man nicht einfach einen Ork in einen Käfig neben so einer Maschine stecken? So zu sagen als Aktivator?“ Der Inquisitor grinste Darius breit an und schüttelte den rechten Zeigefinger. „Gute Idee, hat aber nur einen Haken. Denk dran, sie bauen aus Nichts Werkzeug – über kurz oder lang würde so ein Biest ausbrechen. Und bei Ihrer Vermehrungsrate ist jede einzelne Grünhaut ein ernst zu nehmendes Sicherheitsrisiko. Das Mechanikum hat das schon einmal probiert – und diese Forschungsstation sitzt nun im Herzen eines von Orks überrannten Sektors.“

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Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Das hat er noch nie getan. Das der Zweck die Mittel heiligt war seit jeher die Ausrede aller Versager die versuchten ihr illegitimes Handeln vor ihren Vorgesetzten zu rechtfertigen. Seit jeher hat nur der Erfolg die Mittel geheiligt...



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22

01.08.2017, 22:06

Kapitel XVI


Spoiler

- Parador Secundus -
Klosterfestung – Vorwerk 16B


Das Aufblitzen eines Multilasers erleuchtete das Halbdunkel der Staub- und Rußwolken stroboskopartiges. Mahler kauerte hinter der Brüstung aus Rockcrete und lud seinen Bolter nach. Seine dunkelgraue Plaststahlrüstung war zerschunden und lädiert, und diverse leere Magazinbeutel baumelten daran umher. Zahllose Hülsen bedeckten den Boden. Links und rechts von ihm kauerten Sororitas hinter der Brüstung und feuerten durch V-förmige Einschnitte in den Dunst. Die Schwester links neben ihm rief plötzlich „Bin leer! Lade nach!“ Mahler kam augenblicklich hoch und starrte in den Dunst. „Gebe Deckung!“ rief er, während er die nächste Welle, die auf sie zu huschte, ins Visier nahm und abdrückte.

Vorwerk 16B war ein von der Hauptfestung gut vier Kilometer entfernter Außenposten im zweiten Ring der Klosterverteidigung. Sternförmig angelegt aus Bunkern und Rockcretewällen bestand seine Hauptaufgabe darin, der ersten Linie Feuerunterstützung mit seiner Batterie schwerer Mörser zu liefern. Jetzt allerdings zeigten die Mündungen der sechs Granatwerfer in alle Richtungen und feuerten was das Zeug hielt – nur unterbrochen wenn der Mechanikumsadept in Anbetracht der langsam anglühenden Rohre nervös wurde und das Feuer einstellen ließ um die Waffen abzukühlen.

Das Vorwerk war eine Insel in einer See aus tosenden Tyraniden – Orangerot mit schwarzen Streifen. Beständig karrte das unterirdische Zugsystem Mörsergranaten und Kisten mit Boltermunition und Energiezellen heran – und transportierte leere Granathülsen und schwer Verwundete zur Klosterfestung zurück. Artilleriefeuer von der Klosterfestung arbeitet sich regelmäßig durch die Tyranidensee um das Werk herum und alle paar Minuten schossen Bomber über das Schlachtfeld, ihre Waffenladungen ohne Ziel abwerfend – sie trafen immer etwas.

Mahler blickte durch die Schießscharte und zoomte mit seinem Okkularimplantat an den Feind heran. Ganten, Ganten, und immer mehr Ganten – Ihre Zahl schien nicht abnehmen zu wollen. Der fünf Meter breite und drei Meter tiefe Wehrgarben, den das Mechanikum noch in letzter Minute um das Vorwerk herum ausgehoben hatte füllte sich langsam aber beständig mit den Leibern toter Tyraniden. Noch waren keine nennenswerten Mengen der Kreaturen an den vier Meter hohen Hauptwall direkt herangekommen, doch hatten die seltsamen Spuckwaffen des Feindes schon für zahlreiche Ausfälle gesorgt – Verbrennungen, Verätzungen und viele Vergiftungen.

Mahler sah sich um. Es war nur eine Frage der Zeit bis auch diese Bastion vom Feind überrollt werden würde. Drei Schützen weiter rechts hatte Schwester Clydonia in einer Pillbox ihren schweren Flammenwerfer abgelegt und bediente einen schweren Zwillingsbolter. Jedes Mal wenn sie wieder eine Gruppe Feinde aufs Korn nahm sah es aus als würden goldene Ströme aus den Seiten der Waffen fließen – die Mengen an Hülsen die sich in der Box sammelten reichten schon fasst bis zur Kniekachel ihre Rüstung. Wären die Läufe der Waffe nicht an ein automatisches Frenzon-Kühlsystem in der Pillbox angeschlossen – sie wären schon lange geschmolzen.

Prioris Palmyra befehligte den östlichen Abschnitt des Verteidigungsringes des Vorwerks, etwa fünfzig Verteidiger schossen in alle Richtungen. Der Truppfunk knackte. „Achtung um Box Zwölf! Der Graben ist fast voll. Der Feind wird versuchen hier mit schnellen Einheiten durchzustoßen und den Wall zu überwinden! Die Ganten sind nur Füllmaterial zur Ebnung des Weges. Achtet auf große Kreaturen!“ Mahler rollte die Augen. War ja klar. In Box zwölf saß Schwester Clydonia.

Eine weitere Welle Termaganten rollte durch die wogenden Rauchwolken auf ihren Abschnitt zu, kraxelte über die Leichen im Graben und krabbelte unmittelbar vor ihm wieder heraus. In schneller Folge hatte Mahler ein gutes Dutzend von Ihnen platzen lassen – dumm nur dass jedes Biest, dass er zerschossen in den Graben kippen ließ, es den Nachfolgern einfacher machte den Graben zu überwinden. Noch elf Schuss im Magazin. 10, 9, 8 – der Brustkorb des letzten Ganten platzte, aber er sank nicht in den Graben zurück – das „Füllmaterial“ hatte seinen Dienst getan.

Weitere Ganten rannten über ihre gefallenen Brutgeschwister und konnten jetzt ihre Spuckwaffen ungehindert einsetzen. Schwester Maria links neben ihm schrie gurgelnd auf und kippte auf den Rücken, verzweifelt versuchend den ätzenden Schleim aus dem Gesicht zu wischen der sich mörderisch schnell durch Haut, Knochen und Gehirn fraß. Mahler wechselte auf Full-Auto und leerte das Magazin in einer Sekunde in den Feind vor Ihm. Dann duckte er sich ein Stück, warf das Magazin aus und fischte nach einem Neuen. Plötzlich brachen aus der Gantenmasse drei große, schlangenartige Kreaturen hervor, und schneller als Mahler das frische Magazin feuerbereit machen konnte hatten sie sich schon an den Wall heran und hochgeschlängelt.

„Einbruch!“ brüllte Mahler, als er sich zurück auf den Rücken warf und die Mündung des Bolters hob. Keine Millisekunde zu früh – Sensenklauen hackten über die Brüstung wo er gerade eben noch gekauert hatte und der hässliche Kopf eines Venators lugte über das Rockcrete. Mahler drückte ab – der Bolter stand noch auf Full-Auto. In drei Sekunden machte Mahler das 30-Schuß Magazin leer und pulverisierte dabei Kopf und Torso des Venators sowie die obere Hälfte der Brüstung.

Die zerstörte Kreatur rutschte schmatzend die Außenwand herunter – und der Nachfolger nutzte die Leiche als Sprungbrett. Mit wild peitschendem Schwanz sprang der Venator über die Reste der Brüstung auf den Wehrgang. Mahler rollte nach rechts weg, Sensenklauen und Krallen zerrissen den Boden wo er eben noch gelegen hatte. Weitere Ganten folgten dem Venator. Verzweifelt auf dem Hosenboden rückwärts rutschend versuchte Mahler seine Boltpistole aus dem Halfter zu befreien. Der Venator richtete sich zu seiner vollen Größe auf, zischte in wütend an und erhob die Klauen zum Schlag. „Ducken!“ brüllte jemand hinter ihm. Mahler warf sich herum und schlang die Arme um den Kopf – ein Schwall heißer Luft fegte über ihn hinweg der ihm sein gerade nachgewachsenes Haupthaar versengte. Schwester Clydonia badete den ganzen Abschnitt des Walls in flüssiges Feuer aus ihrem schweren Flammenwerfer – verwandelte den Venator und die Ganten in zuckende Fackeln und begann dann mit weiten Schwüngen die sich vor dem Wall stauende Masse an Feinden wegzubrennen. Mahler betrachtet seine dampfenden Hände. „Das war wirklich in letzter Sekunde!“

Stille. Unnatürliche Stille. So schnell wie die Flut der Tyraniden das Vorwerk umspült hatte, so schnell hatten sie sich zurückgezogen. Die Verteidiger nutzten die Pause um prustend zu Verschnaufen. Prioris Palmyra inspizierte ihren Abschnitt, lobte, begutachtete Wunden und verteilte Trinkwasser. Mahler und Clydonia hockten erschöpft mit dem Rücken zur Brüstung und Teilten sich eine Wasserflasche. Seit drei Stunden die erste Verschnaufpause. Ohne Stimm-Spritzen aus ihren Auto-Medikts hätten sie das nicht durchgestanden. Mahler nickte zu den verkohlten Leichen hinüber. „Lass uns das da wegräumen, bevor wir noch darüber stolpern.“ Gemeinsam machten sie sich daran die Leichen der verbrannten ‘Niden in das Vorwerk zu stoßen – an der Außenseite wären sie nur zusätzliche Treppenstufen.

Prioris Palmyra trat zu ihnen, als sie gerade den geschwärzten Torso des Venators in die Tiefe rollten. „Gut gemacht! Das war saubere Arbeit.“ Mahler blickte über die Brüstung Richtung Waldrand. „Da wartet aber noch eine ganze Menge weitere;“ versuchte er zu scherzen. Prioris Palmyra lächelte gequält. „Immerhin sind wir noch da. In der letzten Stunde haben wir zwei Vorwerke aufgeben müssen, und die Biester sind auch in das unterirdische Transportsystem eingedrungen – Genräuber sind in den Tunneln gesichtet worden.“ Die drei warfen einen beunruhigten Blick in die Mitte des Vorwerks wo am Tunnelausgang gerade eine weitere Lore angekommen war und sich Servitoren daran machten die angekommenen Mörsergranaten auszuladen.

„Wir haben nicht genug Trupps um auch noch die Schächte abzudecken. Deshalb hat das Mechnikum die aktive Tunnelwehr scharfgeschaltet und auch noch zusätzliche Wächterkanonen aufgestellt. Die reagieren recht empfindlich auf Biosignale…“ Die Truppführerin reichte beiden je eine kleine Kommeinheit. „IFF Transponder. Sind mit der vorletzten Ladung angekommen. Immer am Körper tragen, sonst machen die Tunnelkanonen aus euch Hackfleisch, wenn wir uns durch die Gänge zurückziehen müssen.

***


Altes Narbengesicht ließ sich treiben. Nach seinem Triumph über das Große Nest und der Anerkennung durch die Große Mutter hatte er es anderen überlassen die Reste des Feindes zu verschlingen. Natürlich hatte er auch etwas Zeit gebraucht um sich von der schweren Verletzung zu erholen, aber schon nach zwei Lichtzyklen war er so gut wie wiederhergestellt gewesen. Nein, es war etwas ganz Anderes das ihn seit neuestem beschäftigte. Seit dem Moment indem er sein Gehirn mit dem des feindlichen Symbionten verbunden hatte.

Das konnte er immer noch nicht verstehen. Sonst war alles in seinem Leben eindeutig. Die Befehle der Mutter, die Gesamtheit des Schwarms, sein Intellekt – als heller Kontenpunkt dieses aus vielen Kreaturen bestehenden Gesamtorganismus. Aber dieser Symbiont – das war etwas ganz anderes. In der kurzen Zeit die sie verbunden gewesen waren hatte Altes Narbengesicht damit gerechnet, in das Schwarmbewusstsein des Gegners einzudringen. Hatte erwartet die Gesamtheit des feindlichen Schwarms zu erkennen, seine Stärke einzuschätzen so wie die Verhältnisse der verschiedenen Kreaturen zueinander. Das hätte ihm weitreichende taktische Einsichten in den Feind erlaubt und das Erfüllen der Wünsche der Mutter einfacher gemacht.

Zu seiner absoluten Verwunderung, ja gerade Bestürzung, war da Nichts gewesen. Doch das konnte nicht sein. Zuerst war Altes Narbengesicht davon überzeugt gewesen, das der Symbiont lediglich im Stande gewesen war, seinen Geist vom Bewusstsein des feindlichen Schwarms abzuschirmen. Aber je länger er darüber nachdachte und das Gesehene analysierte, umso sicherer wurde er: da war kein Schwarmbewusstsein gewesen. Und das war unmöglich.

Selbst die unabhängigsten Kreaturen des Schwarms, die Späher und Liktoren, die viele, viele Geister entfernt in fremden Nahrungsgründen operierten, auch sie hatten eine, möglicherweise sehr schwache, aber immer noch vorhandene Verbindung zum Schwarm. Wie sollten sie sonst Befehle erhalten? Wie sollte die Mutter sonst ihren Fortschritt überwachen? Ja sogar die fast gänzlich unabhängigen Infiltrationsorganismen, die weit weit vor den Schwarmflotten operierten, waren, wie dünn auch immer, mit diesen verbunden. Altes Narbengesicht konnte sich ein Fehlen des Schwarmbewusstseins gar nicht vorstellen.

Und doch war es so. Der feindliche Schwarm hatte offensichtlich kein zentrales Bewusstsein. Eine absolut… faszinierende Feststellung. Gedankenverloren stand der Schwarmtyrann einfach nur da im Wald während um ihn herum der Schwarm brodelte um den Feind wieder anzugehen. Aber wie sollte das gehen? Er hatte ganz deutlich einen tiefen Intellekt bei dem Symbionten gespürt. Hatte Bereiche dessen Geistes erblickt die so vollkommen fremd und tief waren wie bei keinem Kind seines Schwarms. Selbst sein eigener titanischer Intellekt war ein schwacher Schatten der Tiefe und Komplexität dieses Geistes gewesen. Konnte das sein? Konnten dieser Feind aus… aus unabhängigen Geistern bestehen?

Das würde er ergründen müssen. Jetzt aber musste erst einmal der lokale Widerstand überwunden werden, der die Mutter vom Fressen abhielt. ANGRIFF…. ANGRIFF… ANGRIFF hallte es schon seit vielen Lichtzyklen durch seinen Geist. Es war… irritierend. Zeit sich dieses Gefühls zu entledigen.

***


„Sie kommen wieder!“ Der Schrei des Beobachtungspostens über das Kommnetz ließ schlagartig alle übrigen Aktivitäten verstummen. Die Verteidigerinnen stürzten an die Schießscharten der Brustwehr. „Feuer, Feuer, FEUER!!“ hallte der Befehl durch das Vorwerk und das monotone WUPP-BANG der schweren Mörser zerriss die unnatürliche Stille. Mahler hatte sein zerschundenes Stück Brüstung mit Rockcretebrocken behelfsmäßig gefüllt und sich auch gleich eine ganze Kiste mit Boltermunition besorgt – die er schneller leerte als er für möglich gehalten hatte.

Das ganze Vorfeld war mit Tyranidenkörpern bedeckt, der Graben an vielen Stellen gänzlich mit ihnen gefüllt. Mahler grinste Schwester Clydonia an. „So lange die nur die kleinen schicken, halten wir durch!“ Schwester Clydonia kauerte neben ihm, hatte den Schweren Flammenwerfer neben sich gelegt und von irgendwo her einen Bolter ergattert. Sie warf ein leeres Magazin aus und griff in Mahlers Kiste. „So viel Glück haben wir nicht!“ und deutete ins Vorfeld. Hinter der Welle aus Hormaganten und Termaganten brachen einige wirklich große Kreaturen aus dem Waldrand.

„War ja klar. Krieger und zwei Fexe!“ Die massigen Kreaturen donnerten langsam auf das Vorwerk zu. Auch andere hatten die Bedrohung erfasst und der Multilaser in der Pillbox links von Ihnen nahm den Vorderen auf Korn. „Das bringt nix!“ schrie Clydonia ins Komm, „wir brauchen hier eine Kanone, oder einen Raketenwerfer!“ Die Lichtblitze des Lasers schlugen zwar faustgroße Stücke aus dem Fex, aber sie bremsten ihn nicht wirklich. Mit ungebremster Wucht rammte der Fex den Hauptwall direkt links neben ihnen. Das ganze Vorwerk erzitterte. Wieder und wieder rammte das Monster seine Sensen in den Wall und brach große Stücke heraus. Obwohl mehrere Schwestern seinen Kopf und Nacken mit Boltern auf Full-Auto beharkten war das Ungetüm nicht zu bremsen.

Panik kroch in Clydonas Stimme. „Der ist gleich durch!“. Mahler ließ den Bolter fallen. „Idee!“ rief er und sprang kurzerhand vom Wehrgang ins Vorwerk. Dort schubste er einen Ladeservitor zur Seite und griff sich eine der schweren Mörsergranaten. Mühsam wuchtete er die Granate auf die Schulter und machte sich dann daran über die Zugangstreppe wieder auf den Wehrgang zu kommen. „Granate! Tape!“ rief er Clydonia zu. Die Schwester schaute ihn erst unverständig an, dann weiteten sich ihre Augen. Kurzerhand klipste Clydonia eine Frag-Granate von ihrer Rüstung ab und griff in die Allzwecktasche mit dem Medikit, die bei jedem am Gürtel baumelte. Mahler erreichte sie und stellte die schwere Granate auf dem Wehrgang ab – das ganze Gebäude erzitterte wieder und wieder unter den Schlägen der schweren Kreatur.

Mit mehreren Wicklungen Medi-Klebeband fixierten sie die Handgranate im Leitwerk der Mörsergranate – direkt vor dem hinteren Zünder. Clydonia zog den Pin ab. „Und runter damit!“ Zusammen kippten sie die 200mm Granate über die Brüstung. Sie rollte dem Fex genau vor die Füße. „DECKUNG!“ brüllten sie gemeinsam und warfen sich auf den Boden.

Die Detonation direkt vor dem Wall war stärker als alles was bisher auf das Vorwerk gewirkt hatte. Der Schlag drückte allen Verteidigern die Luft aus den Lungen und ließ, Helm oder nicht, die Ohren klingeln. Dem Fex setzte sie noch ganz anders zu. Ob der Druckwelle aller Extremitäten beraubt wurde der schwer verbrannte Resttorso des Fex wie ein Spielball in die Luft geschleudert, nur um dann wie eine Kanonenkugel durch die hinteren Angriffslinien des Schwarms zu pflügen. Leider hatte die Detonation auch den Wall fast eingedrückt.

Rockcretebrocken, Erdklumpen und Tyraniedenfetzen regneten auf die Verteidiger nieder, die nun tief geduckt auf dem Wehrgang kauerten. Auch unter ihnen hatte die Detonation Opfer gefordert, doch war der Verteidigungsring noch intakt. Mahler und Clydonia rappelten sich auf, als der Regen aufhörte und spähten über den Wall – die Detonation hatte das Vorfeld ein Stück weit freigeräumt. „Wo ist der zweite Fex?,“ fragte Mahler und Clydonia deutete weiter nach links – „Da drüben, ist in den Graben geschleudert worden!“, gab sie an.

Mahler zielte und setzte ein paar Bolts gegen Kopf und Hals des Monsters. „Noch weitere?“ Clydonia war selbst wieder am Schießen. „Nächste Welle rollt an! Dicker Brocken mitten drin!“ FOOOOSCH – BAMMM!!! Der Kopf und Hals des Fex im Graben zerbarst in eine Wolke aus Feuer, Rauch, Blutspritzern und Fleischfetzen. „Raketenwerfer! Endlich!“ Mahler rammte ein neues Magazin in seine Waffe. „Auf zum nächsten Fex!“ „Nee, ist ein Tyrann!!“, informierte ihn Clydonia. Mahler wechselte das Ziel und begann gezielt Bolts gegen Stirn- und Nackenschilde des neuen Monsters zu feuern. „Verflucht großer Bastard!“

Mahler setzte einen weiteren Bolt genau auf den Stirnschild der die Sechs Augen des Tyranns deckte. Sechs Augen!, durchfuhr es ihn. Langsam ließ er den Bolter sinken. Mahlers Gesicht verzog sich zu einer ungläubigen Fratze. „Das kann nicht sein!“ brüllte er. Clydonia fachte ihn bei einem Seitenblick an: „Schieß du Trottel!!“. Mahler rüttelte an Cydonias Schulterpanzer: „Das kann nicht sein!“ Irritiert fauchte sie ihn wieder an: „WAS!“ „Erkennst du ihn nicht?!?“ Der Tyrann war noch gut 50m von ihrer Position entfernt. Clydonia schleuderte ihm weitere Bolts entgegen. Dann setzte sich auch bei Ihr Erkenntnis durch und sie hörte auf zu schießen. „Das Biest vom Raumhafen!“


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23

02.08.2017, 21:17

Kapitel XVI Cont.


Spoiler

***


Altes Narbengesicht scheuchte seinen Schwarm gegen ein weiteres Außennest des Feindes. Diese waren zahlreich, jedoch bei weitem nicht so gut verteidigt wie andere Nester die er in seiner Lebenszeit schon zerstört hatte. Der Nestwall war nicht sehr hoch, er würde mit einem Sprung mitten darin sein – auch wenn sich dieses Nest als zäh erwies. Normalerweise reichte ein Brocken um sich durch den Wall in so ein Nest vorzuarbeiten, aber hier war es dem Feind gelungen die zwei Sturmbrecher, die er auf die Schnelle an sich gezogen hatte, abzuweisen. Auch dieses Nest wurde von den kleinen Symbionten verteidigt die er schon so gut kannte – und die ihm schon so viel Ärger bereitet hatten. Er schob seine Wachen als Schild vor sich als die unwirksamen Waffen des Feindes auf ihn einzuprasseln begannen.

Eine mächtige Energieentladung hatte den Ersten seiner Brecher in einen schwarzen Ball verwandelt und den Zweiten weggeschubst, bis dass eine dieser klobigen Spuckwaffen ihm ein Ende bereitet hatte. Wichtiges musst du selbst erledigen, hallte es durch seinen Geist. Er stürzte auf den Bereich der Energieentladung zu – dort musste das Nest geschwächt sein. Er setzte zu einem Sturmlauf an, als ihm ein Duft durch die Riechorgane zog. Ein bekannter Duft.

Schnell machte Altes Narbengesicht die Symbionten auf dem Nest aus – und da war er wieder – dieses kleine Biest, das ihn in seiner letzten Inkarnation so zugesetzt hatte. Und direkt daneben der kleine Symbiont der ihn so verbrannt hatte. Er stockte. Fixierte die Biester mit seinen sechs Augen. Wut und Zorn kochten in ihm hoch – schnell gedeckelt von eiskalter Berechnung. Nein, ihn würden sie nicht noch einmal so überraschen. Er griff mit seinem Geist heraus, spürte die Gesamtheit seines Schwarms und brüllte ihnen einen Befehl zu. Der ganze Schwarm vor dem Nest geriet ins Stocken – und wandte sich dann den beiden Symbionten zu, die ihr Herrscher ihnen angezeigt hatte.

***


Mahler und Clydonia blickten offen zu dem Tyrannen hinüber. „Ja das ist er.“ Sie sahen sich an. „Und so wie es aussieht hat er auch uns erkannt.“, seufzte Clydonia. Sekundenlang blickten sich die Kontrahenten in die Augen – dann schrie der Tyrann. Der Schwarm stockte in seinem Angriff – und wandte sich ihnen dann geschlossen zu. „Und er hat etwas gegen uns.“ Urplötzlich strömte der ganze Schwarm auf ihren Abschnitt zu. „Oh Scheiße, Scheiße, Scheiße!“ brüllte Mahler als er und Clydonia ihre Bolter einfach ins Vorfeld leerten – so wie alle anderen Verteidiger auch.

Schwester Palmyra hatte die Situation sofort erfasst. „RÜCKZUG, RÜCKZUG!“ bellte sie ins Komm. „So einem konzentrierten Angriff halten wir nicht stand!“ Schon schwappte die Welle der Tyraniden mit solcher Wucht gegen den Wall, das dieser erzitterte und einzelne Ganten in das Vorwerk purzelten. Clydonia hatte ihren Bolter fallen gelassen und warf nun große Flammenwolken um sich um den Rückzug zu decken – Mahler fiel schießend mit ihr zurück. Die Verteidiger sprangen ins Vorwerk und stauten sich vor dem Tunneleingang. Mit einem mächtigen Bersten, das Rockcretebrocken wie Schrapnell durch das Vorwerk schießen ließ, krachte der Tyrann an der geschwächten Stelle durch den Wall.

Konzentriertes Bolterfeuer schlug ihm entgegen – das sukzessive schwächer wurde als eine Schwester nach der anderen sich in den Tunnel duckte und floh. Am Ende standen nur noch Schwester Palmyra, Mahler und Clydonia vor dem Tunneleingang. „Los, los LOS!!“ brüllte die Truppführerin, und Clydonia und Mahler duckten sich in den Tunnel. Dann ließ sie eine Fraggranate in einen Stapel Mörsergranaten rollen.

Sie hatten sich noch nicht weit in den Tunnel zurückgezogen als draußen die Granate den Munitionsstapel zündete und das Vorwerk auslöschte. Die Druckwelle warf sie um und ließ sie ein gutes Stück über die Magnetbahn Richtung Festung rutschen. Mit einem ohrenbetäubenden Bersten und Krachen stürzte der Tunnel hinter ihnen ein und begrub dabei auch noch die paar Ganten, die es ebenfalls in den Tunnel geschafft hatten. Die müden Verteidiger rappelten sich auf, aber an Verschnaufen war nicht zu denken – tiefer im Tunnel knatterte sporadisches Bolterfeuer.
„Los, weiter! Die Tunnel sind wohl auch nicht mehr sicher!“ Die drei Flüchtenden kamen an einer Tunnelkreuzung vorbei – und an den Leichen zweier übel zugerichteter Schwestern, die auf Ihrer Flucht wohl von einem Genräuber überfallen worden waren. Die Beleuchtung der Tunnel ließ zu wünschen übrig – viele Halo-Scheinwerfer waren defekt, andere flackerten unbeständig – nur abschnittsweise war der Tunnel hell erleuchtet. Die zerschossene Leiche des Genräubers fanden sie ein paar Meter weiter in einem gut beleuchteten Bereich – Die Schatten bargen ganz offensichtlich Gefahren. Schwester Palmyra führte sie jetzt vorsichtig weiter – Mahler direkt hinter ihr mit dem Bolter an ihr vorbei sichernd. Schwester Clydonia deckte den Marsch mit dem Flammenwerfer. So kamen sie nur langsam voran, da sich Schwester Clydonia beim Sturz auch noch ein Knie verdreht hatte, und auch die Tunnel schienen kein Ende nehmen zu wollen.

Immer wieder kamen sie an reglosen Loren vorbei, jedoch begegneten sie keinen Fahrenden - das Transportsystem war offensichtlich abgeschaltet worden. Plötzlich weitete sich das flackernde Halbdunkel und die drei Flüchtenden stolperten in einen großen Loren-Knotenpunkt. Hier trafen sechs Verteilertunnel zusammen um sich zum Haupttunnel, der direkt zur Klosterfestung führte, zu vereinigen.

Der Verladebahnhof glich einem Schlachthaus. Es war offensichtlich dass hier eine größere Gruppe Genräuber, aus einem der nördlichen Tunnel kommend, über einen Trupp sich zurückziehender Sororitas hergefallen war. Der ganze Knotenpunkt war mit den Leichen der Räuber bedeckt, eine aus umgestoßenen Loren hastig improvisierte Verteidigungsstellung war nach mehreren Versuchen sie zu stürmen überrannt worden. Hinter den Loren stieß der Trupp auf die zerfetzten Leichen von mehreren Verladeservitoren und acht Schwestern, die im Nahkampf alles gegeben hatten – dazwischen die von großkalibrigen Geschossen durchlöcherten Kadaver von drei Genräubern. Und erst jetzt fielen den drei Flüchtenden die zwei am Haupttunnel aufgebauten Sentry-Kanonen auf, die surrend ihre Läufe auf sie richteten.

„Keine hastigen Bewegungen. Präsentiert den Kanonen die Transponder,“ sagte Schwester Palmyra und schritt langsam auf die Kanonen zu. Clydonia horchte auf. „Was war das?“ „Geräusche im Nordtunnel!“ bellte Mahler und ging hinter einer Lore in Deckung, „da kommen wieder welche!“ Das Kratzen und Klackern sich schnell bewegender Klauen auf Rockcrete echote aus dem zweiten Gang rechts von Ihnen.

Schneller als die Drei es für möglich gehalten hatten, stürzten zahlreiche Genräuber aus dem Tunnel in die Halle – und wurden mit Bolterfeuer und einer Flammenwand begrüßt. Diese war es auch die den Drei das Überleben sicherte – so lange noch Promethium in den Tanks war. „Wir müssen etwas tun!“ brüllte Clydonia, „ich bin gleich leer!“ Wieder warfen sich ein halbes Dutzend Genräuber gegen ihre Stellung, nur um vor der sofort vorschießenden Flammenwand zurückgetrieben zu werden. Mahler warf einen Blick über die Schulter. „Warum schießen die Kanonen nicht?!?“

Clydonias Werfer spuckte noch einmal einen letzten Schwall Flammen in Richtung des Feindes, dann blubberte die Mündung nur noch. „Das wars!“ Mahler und Schwester Palmyra feuerten auf die Räuber die sich am Rand des Nordtunnels für den nächsten Ausbruch bereit machten, Clydonia suchte zwischen den Leichen der Schwestern nach einem geladenen Bolter. Schwester Palmyra stockte. „Die Transponder! Nehmt die Transponder ab, und werft euch vor die Kanonen!,“ rief die Truppführerin, und machte es dann auch gleich vor. Mit einem hässlichen Zischen sprangen und hüpften die Genräuber heran. Mahler und Clydonia ließen sich nicht lange bitten. Sie klipsten die Transponder von ihrer Brustpanzerung, ließen sie fallen und stürzten sich dann zu Füßen der Kanonen – die auch sofort mit einem ohrenbetäubenden Brüllen zu feuern anfingen.

Nach zehn ewig langen Sekunden war es vorbei. Die ganze Halle war erfüllt von dem Rauch der Kanonen, die gegenüberliegenden Wände waren mit Kratern übersäht, und der Genräubertrupp hatte sich in Fetzen aufgelöst. Schwer atmend kauerten die Drei am Boden direkt vor den Kanonen, deren Läufe über ihren Köpfen hin und her surrten. Schwester Palmyra gab ihnen einen Daumen hoch. „Elevationswinkel,“ keuchte sie, „Die Kanonen haben einen toten Winkel von drei Meter Radius. Ist mir gerade noch eingefallen.“

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Kolchis XVII

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24

28.01.2018, 22:50

Kapitel XVII


Spoiler


XVII



- Immaterium -
In Transit
Oberdeck der Mirage

Darius schlenderte eine der Promenaden des Oberdecks entlang, ganz in Gedanken versunken. Seit gut einer Stunde kaute er den Schlachtplan des Inquisitors durch, den dieser auf der letzten Strategiesitzung verkündet hatte. Auf der Suche nach Fehlern, Ungereimtheiten und exzessiven Risiken betrachtete er jede Phase des Plans aus allen möglichen Winkeln und konnte nur zu einem Schluss kommen – das wird ein Himmelfahrtskommando. Der ganze Plan war so voller unbegründeter Annahmen, nicht abschätzbarer Risiken und, insbesondere vom Zeitplan her, übereilt ausgearbeitet, dass seinem edlen Primarchen beim Verfassen des Codex Astartes der Stylus aus der Hand gefallen wäre, hätte der gewusst welche haarsträubenden Abenteuer man in ferner Zukunft mit dem Codex planen würde.

Andererseits war Ignatz Steinbrecht Inquisitor und hatte ganz andere Probleme, und andere Sichtweisen als ein Astartes. Er selbst würde niemals das Leben seiner Brüder mit einem derart löchrigen Plan riskieren, aber für den Inquisitor galten wohl andere Maßstäbe. Und so betrachtet riskierte Steinbrecht nicht viel – einen Trupp Astartes und einen Haufen Gardisten – für ihn letztendlich alle schnell ersetzbar. Je länger er darüber nachdachte, umso mehr konnte er dem Plan auch etwas Gutes abgewinnen. Sicher, er war sehr riskant – aber auch verwegen und heldenhaft. Würde das Unternehmen nicht solch strikter Geheimhaltung unterliegen, es wäre Stoff für ein episches Bühnenstück.

Aber zunächst galt es erst einmal die Voraussetzungen für das Unternehmen zu schaffen. Darius hakte mental die Probleme ab. Erst mal so einen speziellen Tyrannen in einer derart großen Galaxis finden. Dann isolieren. Und Vom Schlachtfeld abtransportieren. Na klar, alles kein Problem, da der Schwarm ja daneben stehen und Beifall klatschen würde. Und der Transport wäre ja auch kein Problem – schließlich stampft so ein Tyrann ja gerne jede Laderampe hoch, die ihm präsentiert wird. Die Lösungsvorschläge des Inquisitors zu den jeweiligen Teilproblemen waren seiner Meinung nach – gewagt war der richtige Ausdruck. Und um das erste Teilproblem würde er sich jetzt kümmern. Das Reclusium des Astropathenchors lag direkt vor ihm.

Darius hatte zwar vollen Zugang zu allen Teilen des Schiffs, aber das astropathische Konvent war noch einmal separat physisch und psychisch abgeschottet. Er wartete eine volle Minute bis er in das innere Sanctum gelassen wurde – drei Ebenen voller Mystik und arkaner Technik. Und auf der obersten Ebene fand er auch was er suchte.

Bruder Aaron lag in einer astral abgeschirmten Wiege inmitten von Kabelbünden und Rohrleitungen. Der mächtige Leib des Astartes in seiner Servorüstung wirkte klein umgeben von all den Maschinen und Zuleitungen die an die Wiege angeschlossen waren. Sein Helm baumelte vergessen an einem großen mechanischen Hebel und mehrere Dutzend Kabel waren an den kahlen Schädel des Marine angeschlossen. „Captain. Ich hatte Euch schon früher erwartet.“ knarzte es aus einem Deckenlautsprecher. Bruder Aaron selbst erschien katatonisch und wie in Stasis. Darius blickte sich um und wusste nicht so recht wo und wie er Bruder Aaron ansprechen sollte, entschied sich dann jedoch für den direkten Weg mit dem Körper. „Ja, ich hatte schon viel früher herkommen wollen. Aber wie das so ist – man schiebt die Dinge eben.“

Der Lautsprecher krachte und knarzte und Darius nahm an, dass Bruder Aaron lachte. „Ihr seid sicher nicht hier um euch über meinen Zustand zu informieren. Ihr habt Fragen. Also heraus damit.“ „Direkt wie ein Imperial Fist. Nun denn.“ „So ist es.“ Darius nahm in einer umfassenden Geste den Raum ein. „Was ist das hier alles?“ „Das ist mein Arbeitsplatz. Von hier aus leite ich die Suche nach… nachdem was immer der Inquisitor sucht.“ „Und wie funktioniert das alles?“ Es blieb ein paar Sekunden still, dann atmete Bruder Aaron tief ein und schlug die Augen auf. Drei Dutzend Nadeln zogen sich summend aus den Interfacebuchsen im Schädel des Marine zurück. „Helft mir bitte auf. Die Trennung von den Cogitatoren… desorientiert mich immer noch, obwohl ich das jetzt schon seit so vielen Jahren mache.“

Darius half seinem Bruder aus der Liege hoch. „Also,“ und Darius deutete auf die arkane Technologie um sie herum,“ was ist das alles?“. Bruder Aaron setzte sich ächzend auf einen Metallhocker. „Das sind… im weitesten Sinne sind das alles Filter. Datenfilter.“ Darius machte eine unbestimmte Geste. „Äääh – wie soll ich das erklären? Ihr wisst ja wonach wir suchen – hat Ignaz ja eben erst breit erklärt. Aber wisst ihr auch wo wir - wo ich - suchen muss, Captain?“ „Wir suchen einen ganz bestimmten Typ Tyraniden-Tyrann, oder zumindest Informationen über einen solchen, damit man ihn lokalisieren kann.“

„Stimmt genau. Aber könnt ihr euch nur grob vorstellen, was ich da zu durchsuchen habe? Der uralte Begriff von ‚Big Data‘ trifft es nicht annähernd. Hier im Immaterium haben wir natürlich nur Kontakt zu astropathischen Signalen, aber selbst das ist eine schier unüberblickbare Menge. Allein in dem Raumsektor den wir gerade durchkreuzen gibt es mehrere hundert bewohnte Planeten, Außenposten, Raumstationen, die alle über ein oder mehrere Astropathen verfügen, die unablässig Informationen senden. Dazu kommen noch all die tausende Raumschiffe, die das ebenfalls tun. Darüber hinaus die von Astropathenchors verstärkten Sendungen aus allen Teilen der Galaxis. Die müsse alle untersucht werden.“

„Wieso das? Kann man sich nicht auf Sendungen aus den bekannten Tyranidengebieten beschränken?“ Bruder Aaron zuckte mit den Schultern. „Wenn das nur so einfach wäre. Fast alle Nachrichten sind codiert – und so lange die nicht dekodiert sind kann man nur ganz grob sagen wo einen Nachricht herkommt – und natürlich nichts über ihren Inhalt. Und das-„ und dabei lächelte er süffisant und deutete auf die riesigen Maschinen die die Datenliege umstanden, “ist meine Spezialität.“ „Daten filtern?“ „Codes knacken. Imperiale Standardcodierung z.B. der Garde, auch jenseits der Magenta-Ebene, ist im Handumdrehen gemacht. Astartes- und Inquisitionsschlüssel sind da schon schwieriger, aber auch machbar. Die Binärverschlüsselungen des Mechanikums sind am schwierigsten – aber da hilft uns die Tatsache dass sich das Mechanikum schlicht nicht für Tyraniden jenseits der offensichtlichen Bezüge – unterbrochene Materiallieferungen oder Angriffe auf Schmiedewelten - interessiert. Keine arkane Technologie die man klauen kann. Eine kalkulierte Lücke.“

„Also dann können wir demnächst etwas erwarten?“ Aaron hob beschwichtigen die Hände. „Langsam, langsam. Es ist immer noch eine Nadel in einem Heuhaufen, oder eher eine Schraube auf einer Schmiedewelt – die auch erst einmal da sein muss. So schnell geht das nicht.“ „Also könnten wir noch Jahre auf eine Meldung warten – oder sie einfach verpassen.“
„Stimmt. Auf der anderen Seite wird der Kampf gegen die Tyraniden in Ultramar intensiv geführt – und protokolliert. Ich fange laufend Statusberichte und Frontanalysen ab, so wie Taktik-Updates, Planungsanweisungen und Befehle. Viele von den Ultramarines.“

Darius war beunruhigt. Das die Inquisition so einfach die Kommunikation seines Chapters mitlesen konnte würde er thematisieren müssen, wenn er erst einmal nach Macragge zurückkehrte. Mental Note. „Und war da schon etwas dabei?“ „Bis jetzt leider nur Verweise auf bereits bekannte Informationen. Nichts wirklich Neues. Seht her – hier an diesem Schirm laufen die parallel dekodierten Meldungen durch.“ Bruder Aaron trat an den großen Picter eines Cogitators und wies auf die grün schimmernden Runen die über ihn liefen und ständig durch neue Zeilen ergänzt wurden. „Ein Frachter meldet Kontakt mit Sporminen in der Nähe eines Handelspostens. Verlußteinschätzungen von Parador Primus. Eine Einschätzung der Schmidewelt Hephastus bez. Produktionsausfällen aufgrund von Lieferschwierigkeiten wegen der Tyranideninvasion im Gangessektor, hier auf Kupfer bezogen. Befehle von Macragge an die 2. Kompanie Ultramarines. Versorgungsanfrage einer Garde-Armee. Gefechtsberichte der Sons of Ultramar - 4. Kompanie. Alles im Zusammenhang mit der Tyranideninvasion hier in Ultramar.“

Darius betrachtete die eingehenden Meldungen. „Und die sind alle schon vorgefiltert – mit Bezug zu unserem Thema?“ Bruder Aaron nickte. „Ja. Alles astropathische Nachrichten mit Tyranidenbezug. Aber nicht chronologisch, sondern in der Reihenfolge der Entschlüsselung. Zum Beispiel die Frachtermeldung ist nur ein paar Minuten alt – da nur rudimentär verschlüsselt – die Befehle von Macragge 2 Wochen – so lange hat es gedauert sie zu entschlüsseln.“ Aaron deutete auf die Datumsanhängsel, die vielfarbig daher kamen. „Je dunkler, umso länger hatte die Entschlüsselung gedauert.“

„Gibt es auch Meldungen, die nicht entschlüsselt werden?“ „Kaum. Aber ja, natürlich, die gibt es auch. Seit ich vor knapp 4 Standardjahren angefangen habe für den Inquisitor den Imperialen Nachrichtenverkehr mitzuhören habe ich gut 200 Nachrichten, die ich nicht knacken konnte. Hauptsächlich Nachrichten aus Inquisitionskreisen und besonders hoch verschlüsselte Astartes-Meldungen. Insbesondere die Dark Angels sind da recht zugeknöpft.“ Der Marine lächelte verschmitzt.

Weitere Statusmeldungen liefen über den Bildschirm. „Und all diese Meldungen werden dann detailliert geprüft?“ „Nein, sie werden nur grob quer gelesen. Normalerweise lässt sich schnell erkennen ob die Meldung Erkenntnisse in Bezug auf unser Forschungsprojekt enthält, oder nicht.“ „Das ist dann trotzdem immer noch eine recht mühselige Arbeit, oder?“ fragte Darius. Bruder Aaron rieb sich die Schläfen. „Zeitweise ja. Aber es kommen auch immer wieder interessante, ja ausgesprochen lustige Meldungen vor. Oftmals sind das Prioritätsmeldungen von denen der Verfasser ausgeht, es würde sich um Sektor-bewegende Neuigkeiten handeln, obwohl wir aufgrund verschiedener vorheriger Meldungen wissen, das das alles ein alter Hut ist. Echt lustig.“

Noch mehr Meldungen liefen über den Schirm. Eine blinkte weiß. „Was ist das hier?“ Darius deutete auf den Eintrag. Bruder Aaron runzelte die Stirn. „Hmmm. Eine Priomeldung der höchsten Stufe – aber nur ganz rudimentär verschlüsselt – und dass aus dem Adeptus Sororitas… ungewöhnlich.“ „Wieso ungewöhnlich?,“ wollte Darius wissen. „Weil die Schwestern ihren Nachrichtenverkehr in der Regel ähnlich rigide schützen wie wir Astartes. Es ist fast so als sollte sie schnell geknackt werden können…“ „So etwas gibt es?“ „Ja. Kommt vor. In der Regel Hilferufe an alle imperialen Institutionen in Reichweite. Aber das hier ist kein Hilfeersuchen, sondern ein Gefechtsbericht…“ „Dann scheint jemand etwas wichtiges mitteilen zu wollen…“ „In der Tat.“ Bruder Aaron blickte auf. „Volltreffer.“

Keine fünf Minuten später hatten sich das ganze Führungsteam in der Kommandozentrale versammelt. Inquisitor Steinbrecht betrachtete immer noch intensiv die Datentafel, niemand wagte es ihn zu unterbrechen. Dann seufzte Steinbrecht tief, ließ die Datentafel auf den Tisch fallen, nahm die Brille an und rieb sich die Nasenwurzel. „…noch zu früh,“ murmelte er leise. Dann richtete er sich auf und wandte sich an die Versammlung. „Wir haben einen Gefechtsbericht von Parador Secundus im Parador-System abgefangen. Das System wird gerade von eine Splitterflotte von Kraken assimiliert. Der Hauptplanet des Systems ist schon vor Monaten an die Tyraniden gefallen, nun versuchen sie dessen Hauptmond zu übernehmen. Hier leistet jedoch ein Orden des Adeptus Sororitas erbitterten Widerstand und verteidigt eine letzte Klosterfestung.

Was den abgefangenen Gefechtsbericht so interessant macht ist, dass darin ein Tyrann Erwähnung findet, der genau in unser Schema passt. Bedauerlicherweise sind wir noch nicht so weit, dass wir unseren Plan dieses Biest zu fangen, umsetzen können. Trotzdem ist es eine Gelegenheit etwas zu tun, was uns bis Dato verwehrt wurde: diesen Subtyp in seinem natürlichen Umfeld zu studieren. Fragen?“

„Was habt ihr vor Inquisitor?“ fragte Bruder Aaron. Der Inquisitor ließ sich zu einem kleinen Lächeln herab. „Ehrlich gesagt – ich weiß es nicht. Wir werden sehen, was wir vor Ort lernen können. Caty?“ Die Kapitänin des Schiffs zitierte aus einer Datentafel: „Ich habe mit dem Navigator gesprochen. Nach seiner Aussage besteht die Möglichkeit den Kurs zu ändern und Parador anzusteuern. Nach seinen Berechnungen würde das vermutlich 3-4 Wochen Realzeit bedeuten – aber du weißt ja…“ „Wie alt ist die Nachricht?,“ erkundigte sich Bruder Choptas. „Drei Tage,“ wusste Bruder Aaron aus dem Gedächtnis heraus. Bruder Raymond zählte an den Fingern ab: „Halbe Woche alt… 4 Wochen Warp und dann noch mindestens 2 Wochen ins System… Kennen wir den Status der Verteidigung?“ „Gem. dem Bericht weitestgehend überrannt. Die Festung hält sich noch. Aber wie lange werden die durchhalten…?,“ Bruder Aaron zog eine besorgte Mine.

Das laute Klatschen von Faust in Hand ließ alle aufschrecken. „Die hauen wir raus!“ Alle schauten Jørgannsson entgeistert an. Der zuckte entschuldigend die Schultern. „Wenn noch jemand lebt, meine ich…“ Inquisitor Steinbrecht setzte sich auf. „Einen Versuch ist es auf alle Fälle wert. Caty?“ „Schon erledigt,“ der Kapitän tippte eifrig auf ihrer Datentafel herum. Geschäftsmäßig fuhr der Inquisitor fort. „Gut. Bruder Aaron, versucht Verbindung mit Parador zu bekommen, vielleicht leben da ja noch Astropathen. Darius, bereitet alles für eine Extraktion unter Feuer vor. Magos Brunnux – wir werden Kampfpiloten benötigen… Ich will verdammt sein, wenn wir nicht ein paar nützliche Informationen retten können.“

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25

30.12.2018, 22:10

Kapitel XVIII


Spoiler

- Parador Secundus -
Klosterfestung – Inneres Sanctum

Bruder Mahler war erschöpft. Nach 12 Stunden Wachdienst und danach noch einmal 8 Stunden Munition schleppen war er wieder einmal am Ende. Zusammengesackt saß er in einer Ecke des Eingangsbereichs der Festungsbasilika und gab sich dem bisschen unruhigem Schlaf hin der ihn von seinem nächsten Dienst trennte – sollte nicht wieder ein Alarm dazwischen kommen.

Ein leises Kratzen vor seinen Füßen ließ ihn aufschrecken und seinen Bolter anlegen – nur um noch rechtzeitig den Finger vom Abzug zu nehmen. Schwester Clydonia kniete vor ihm, auch ihr sonst so liebliches Gesicht von Erschöpfung gezeichnet. Dunkle Augenringe gaben den sonst so hellen Sternen in Ihrem Gesicht etwas trauriges, und ihr verfilztes und zerrupftes Haupthaar wollte so gar nicht zu der fröhlichen Schwester passen die Mahler nun seit gut vier Monaten kennen und lieben gelernt hatte.

Clydonia lächelte ihn traurig an und streckte ihm einen Nahrungsrigel entgegen – der schmale Beutel in ihrer Hand machte klar dass sie heute für die Essensausgabe zuständig war – und wie wenige noch da waren die Essen benötigten.

Mahler sah auf und sich um – die Basilika war zu ihrem letzten Zufluchtsort geworden. Er deutete auf den Beutel. „Die Arbeit wird immer leichter, nicht wahr?“ Clydonia nickte traurig. „Heute Morgen sind noch zwei Schwestern und der letzte Klosterdiener gestorben. Das bringt uns auf 53 Schwestern und dich – sonst lebt auf diesem Mond niemand mehr.“
Mahler horchte auf. „Was ist mit der Abtei St.Crycia? Die kämpfen doch auch noch?“ Clydonia setzte sich neben ihn und schüttelte traurig den Kopf. „Letzte Nacht ist der Kontakt abgebrochen. Der letzte Voxcast sprach von Einbruch und dass sie sich darauf vorbereiteten die Magazine zu sprengen. Danach wurde es am südlichen Horizont kurz hell. Heute Morgen haben wir für alle Seelen dort gebetet – dort lebt keiner mehr.“ Tränen rannen Clydonia über das Gesicht und zogen schmutzige Bahnen durch den Staub auf ihrem Antlitz – müde sackte sie gegen Mahler. Der nahm sie behutsam in den Arm und streichelte den zerrupften Schopf. Sie war halt auch nur ein Mädchen von 17 Jahren.

Was hatte er in den letzten zwölf Monaten nicht alles erlebt. Sein Leben hatte eine Wendung in eine gänzlich unerwartete Richtung getan. Da war zunächst die Einberufung weg von der Universität gewesen, die sie alle mit einem Lachen und viel Spaß abgetan hatten – und der Schrecken als klar wurde das Parador eine Invasion drohte. Die kurzen Wochen Ausbildung die ihn für ein Kommando der PDF vorbereiteten waren wie im Flug vergangen – die Ruhe vor dem Sturm. Dieses ewige Warten und dann der Horror als die Tyraniden dann endlich erschienen. Der Kampf an der Mine, der Konvoi, die Schlacht am Raumhafen. All das war für einen Bürger des Imperiums zwar fürchterlich, aber doch nicht unwahrscheinlich, so wie sich die Dinge in der Galaxis gerade liefen.

Was danach geschah wäre Stoff für einen Sektor übergreifend erfolgreichen Abenteuerroman gewesen. Seine Evakuierung auf den Klostermond, seine Wiederherstellung als neuere Mensch – und die 15 Wochen Kampf, die er mitten unter den Schwestern verbracht hatte.

Mahler sah an sich herunter. Von seinem früheren Selbst, sowohl physisch wie psychisch oder emotional war wenig übrig geblieben. Auch sein Verhältnis zu den Schwestern hatte sich fundamental geändert. War er am Anfang eher als Kuriosum und Außenseiter betrachtet worden, hatten über 100 Tage gemeinsames Vergießen von Blut, Schweiß und Tränen ihn in die Klostergemeinschaft der Schwestern geschmiedet. Er war nicht mehr Lt. Mahler vom Heimatschutzregiment 26. Sie nannten ihn jetzt Bruder Horst, teilten Freud und Leid mit ihm und hatten ihn, wohl auch in Anbetracht der Endlichkeit ihres Daseins, ganz in den Orden aufgenommen. Sie aßen, schliefen, beteten und – kämpften zusammen. Jeden Tag, jede Nacht.

Er kannte jetzt alle Gebete und hatte einen guten Batzen Hochgothisch gelernt, so dass er auch den Predigten der Canoness folgen konnte. Auch sein Glaube war gestärkt. Wenn auch nicht so glühend wie der der Schwestern war Mahler doch überzeugt davon, dass der Imperator ihn genau hier hingestellt hatte. Hier zu den Schwestern, die er achtete und liebte, und die Ihm jetzt, nach so vielen Tagen Elend, ebenfalls liebten. Hierher wo er etwas bewirken sollte – was war ihm jedoch noch nicht klar. Aber der Imperator hatte noch etwas vor mit ihm – warum sonst hatte er bis jetzt überlebt wenn bis dato schon über 700 Schwestern vor den Goldenen Thron getreten waren?

Warum hatte er sonst in den widrigsten Situationen überlebt während seine Schwestern gefallen waren? Und sie glaubten es offenbar auch. Er trug jetzt einen Mix aus Plaststahl- und Servorüstungsteilen, der das Gewicht beinahe erträglich machte. Den Helm hatte ihm Schwester Marlis mit einem wissenden Lächeln in die Hand gedrückt, bevor sie sich zu dem Ausfall aufmachte, von dem sie nicht mehr zurückkehren sollte. Am linken Handgelenk baumelte der Rosarius den Schwester Principalis Sahera, mit ihrem eigenen Lebenssaft getauft, ihm umgehängt hatte als sie gemeinsam die Untere Torfestung hielten. Als die Ganten dann abzogen hatte er alleine überlebt. Eine Kniekachel von Schwester Ursula, geweiht mit ihrem Blut, als sie gemeinsam das Dach der Basilika vor einem Gargoyle Ansturm bewahrten. In den Händen hielt er die „Stimme der Wahrheit“ einen meisterhaften Bolter und 500 Jahre altes Relikt des Orden, den ihm Prioris Manuela mit ihrem letzten Atemzug in die Hände gedrückt hatte als sie gemeinsam die Obere Torfestung verteidigten – und die Stimme hatte in seinen Händen gesprochen und dem führenden Tyrann das Hirn herausgeschossen so dass das Tor eine zusätzliche Woche gehalten werden konnte.

Es sah wirklich so aus, als ob der Imperator über ihn wachte. Die Schwestern taten es ganz sicherlich. Doch jetzt ging es langsam dem Ende zu. Schwester Clydonia wischte sich Rotz und Tränen mit dem Handrücken aus dem Gesicht und stand auf. „Wie sieht es draußen aus?“ wollte Mahler wissen. Clydonia schniefte. „Das innere Sanctum halten wir noch. Neben der Basilika den Kreuzgang, Refektorium, sogar noch die Vorhalle mit dem oberste Tor. Aber alles darunter haben wir verloren. Innenhof, Landezone und Flakbatterien sind ebenso verloren wie Astropathen-Kapelle und das Scriptorium. Jetzt haben wir keine Langstreckenkommunikation mehr. Selbst wenn es im Orbit Jemanden gäbe, der uns retten wollte käme er nicht durch. Und die Bunker mit den Orbitallasern sind offline nachdem wir das äußere Magazin gesprengt haben.“

Auch Mahler kam auf die Beine. Er packte den Riegel aus und schob ihn in den Mund. Kauend meinte er: „So ein Glück das wir auch durch die Krypta zum inneren Magazin Zugang haben. Munition für unsere Handwaffen haben wir genug.“ Das brachte ein Lächeln auf Clydonias Gesicht. Sie boxte ihn vor die Brust. „Tja, noch ein paar Brüder von deiner Sorte und noch ein paar zusätzliche Schwestern und wir könnten diese Festung ewig halten.“ Mahler schluckte und grinste. „Dummerweise müssen wir jede Kiste Munition von Hand hochschleppen.“

Beißend schwerer Brandgeruch wehte vom Eingang der zum Kreuzgang führte herein. Schwere Schritte tappten ihnen entgegen und dann trat Canoness Priscillia mit einem Retributor Trupp ein. Der war nur noch zu viert. Ihre schweren Flammenwerfer hingen in müden Armen und man konnte das Schwappen in den fast leeren Promethiumbehältern hören. Horst und Clydonia knieten nieder und senkten die Köpfe. Canoness Priscillia trat zu ihnen und legte beiden die Hand auf. „Der Imperator segne euch, meine Kinder. Es ist wieder einmal ein schwerer Tag für uns. Schwester Agnes wurde vor den Thron gerufen.“ Die restlichen Mitglieder des Retributor Trupps senkten die Köpfe. Schwester Agnes war eine Institution gewesen. Eine große, stattliche Frau mit einem Herz aus Gold – schon über 80 Lenze alt und eine Mutterfigur für viele Schwestern – aber auch für Horst. Sie war die Erste gewesen, die ihn wirklich angenommen und in ihr großes Mutterherz aufgenommen hatte und mit Ihrem schweren Flammenwerfer hatte sie über sechs Jahrzehnte hinweg die Flammen der Wahrheit zu den Ungläubigen und Ketzern gebracht.

Horst war erschüttert. Er sah auf und schluckte schwer um zu verhindern das sein Stimme brach. „Was ist geschehen?“ Die Canoness seufzte. „Das was jeden Tag geschieht. Ein nicht endender Strom an Feinden und die Kanonen in den Eckbastionen vor dem Obersten Tor liefen heiß. Wir mussten eingreifen und den Feind mit einer Flammenwand zurückdrängen – bis die Kanonen abgekühlt waren und neue Munition fassen konnten. Agnes deckte dann unseren Rückzug vor dem Tor – und wurde überrannt bevor die Kanonen wieder feuern konnten. Wir konnten weder sie, noch ihren geliebten Werfer bergen.“

Clydonias Kopf zuckte hoch. „Ehrwürdige Mutter. Bitte um Erlaubnis vor das Tor treten zu dürfen und Schwester Agnes’ Werfer zu bergen.“ Die Canoness sah Clydonia lange an und strich ihr dann zart über die schmutzige Wange. „Nein Kind, dafür sollst du nicht dein Leben riskieren.“ Mahler kam auf die Füße und hob seine Reliquie. „Ich werde sie decken, ehrwürdige Mutter. Kein Feind wird Hand an meine Schwester legen.“ Auch Mahler sah die Canoness lange an „Ja, das glaube ich dir wirklich, Bruder. Aber das Risiko ist zu groß. Wir sind zu wenige um ein Leben leichtfertig zu riskieren.“ Clydonia trat noch einen Schritt vor. „Ehrwürdige Mutter. Ihr wisst genau wen Agnes führte. Läuterer der Pein ist ein noch älteres Relikt als der ehrwürdige Bolter in den Händen meines Bruders hier. Über tausend Jahre lang hat dieser Flammenwerfer das Licht des Imperators in die Dunkelheit getragen. Er ist so sehr ein Symbol für unseren rechtschaffenden Zorn wie wenige andere Dinge. Mein Leben ist dagegen unbedeutend. Seine Rückkehr würde der Moral unendlich gut tun. Lasst es mich versuchen.“

Die Canoness betrachtete Clydonia lange und intensiv. Dann sah sie zu Mahler herüber. „Deine Schwester hier hat das Zeug zu einer Ordensmeisterin. Hüte sie gut.“


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30.12.2018, 22:15

Kapitel XVIII cont.


Spoiler

Bruder Horst und Schwester Clydonia traten in der Vorhalle an die Innenseite des obersten Tores heran. Die schweren Hydraulikbolzen hatten das dicke Plaststahltor fest verriegelt, doch die Ausfallpforte ließ sich noch leicht öffnen. Zufällig hatten gerade Prioris Palmyra und ihr Doppeltrupp Wache in der Halle und die Beiden wurden innig begrüßt. Als sie den Schwestern an den Schießscharten erklärten was sie vorhatten ernteten sie ungläubiges Staunen und dann freudige Anfeuerungsrufe.

Die Zwei blickten durch den gepanzerten Sehschlitz der Ausfallpforte in den Innenhof. Aus den Arkaden der umliegenden Gebäudekomplexe waren immer wieder Rotten von Tyraniden auf das letzte Tor zugestürmt, nur um im Feuer der Wächterkanonen der Eckbastionen die das Tor flankierten zusammengeschossen zu werden. Haufen an toten Ganten und größerem Getier bedeckten das ganze Vorfeld bis hin und auf der Rampe die zum Tor hoch führte. Und dort, am Fuße des Aufwegs konnten sie den zerrissenen Körper von Schwester Agnes zwischen den Leibern des Feindes ausmachen. Keine 25 Meter entfernt. Horst stellte seinen Bolter an das Tor und nahm Clydonia dann ihren Bolter und ihre Munitionstaschen ab.

„Du musst schnell sein. Sobald du die Rampe herunter läufst werden sie sicherlich wieder stürmen. Halte dich nicht auf, greif dir den Werfer und komm direkt wieder hoch. Wir werden sie so gut zurückhalten wie wir können, doch wenn es zu viele sind oder ein paar dicke Brocken dabei sind könnte es knapp werden.“ Während Prioris Palmyra Clydonia fest umarmte und an sich drückte holte Horst eine Eichenholzkassette aus einer Beintasche und öffnete sie vorsichtig. Golden glänzende Höllenfeuergeschosse strahlten ihm entgegen. Er nahm eines heraus und zeigte es Clydonia. „Beeil dich. Ich hab nicht mehr viele davon.“ Er nahm seinen Reliquien-Bolter auf und lud drei Geschosse in die dafür vorgesehene, spezielle Munitionskammer unter dem Lauf. Dann warf er das normale Stangenmagazin aus und rammte seine letzte volle 50-Bolt Munitionsbox in den Schacht. Clydonia stand an der Tür und sammelte sich. „Ich werde hier an der offenen Tür warten und alles wegschießen was dir zu nahe kommt.“ Clydonia nahm Sprinthaltung an und legte die Hand auf den Türriegel. Horst kniete neben der Tür. Dann besann er sich. „Warte noch,“ keuchte er, schüttelte den Rosarius vom Handgelenk und schnippte dann das enthaltene Refraktorfeld an. Dann legte er Clydonia die Kette um den Hals, nahm ihr Gesicht in die Hände und presste einen Kuss auf ihre Stirn. „Imperator beschütze dich.“

Clydonia lächelte selig, nahm ihrerseits sein Gesicht in die Hände und presste einen Kuss auf seinen Mund. „Das wird Er;“ hauchte sie, warf den Türriegel um und sprang durch die sich öffnende Pforte. Horst blieb verdattert zurück.

***


Clydonia sprintete die Rampe hinunter. Augenblicklich begannen die Kanonen in den Eckbastionen zu bellen und auch aus den Schießscharten regnete es Feuer auf den Platz – der urplötzlich von Wellen aus Tyraniden aus drei Richtungen überschwemmt wurde – ihr Treffpunkt der Fuß der Rampe. Clydonia hatte gerade die Hälfte der Rampe hinter sich gebracht als das Refraktorfeld anfing periodisch aufzuleuchten – duzende Bohrkäfer aus den Waffenschlünden einer Termagantenrotte prallten von ihr ab. Mahler hatte sich wieder gefasst, seinen Helm aufgesetzt und kniete nun im Schatten der Pforte - Clydonias Laufwerg sichernd. Bis jetzt hatte er nicht geschossen um die wirklichen Gefahren erkennen zu können, doch langsam wurde der Beschuss der Termaganten intensiv und der eine oder andere Bohrkäfer überwand das Refraktorfeld und wurde erst von Clydonias Servorüstung gestoppt – das war zu knapp. Ein Gedanke von ihm lud ein Höllenfeuergeschoß in das Patronenlager und er schickte das Geschoss direkt in einen Ganten, der ganz in der Mitte der Rotte Position bezogen hatte. Das Geschoss machte seinem Namen alle Ehre, ließ den Ganten platzen und überschüttete alle seine Nachbarn mit Protosäure die sich daraufhin kreischend und windend zersetzten. Der Beschuss setzte aus und Clydonia erreichte den Fuß der Rampe.

Die Massen an Hormaganten ignorierend die auf sie zustürmten zog sie den fürchterlich zugerichteten Oberkörper von Schwester Agnes aus den Leichen und drehte ihn um. Schnell entriegelte sie das massige Rückenmodul und warf es sich über eine Schulter – dann griff sie nach dem schweren Werfer und blickte auf, als sich ganz dicht vor ihr ein Schatten manifestierte.

Horst hatte mit präzisen Boltsalven die jeweils vordersten Hormaganten die auf Clydonia zustürmten zerlegt und so einen Freiraum um sie geschaffen – als er aus dem Augenwinkel etwas sehr schnelles auf sie zuschießen sah. Unbewusst schickte er den beiden Schatten je ein Höllenfeuergeschoss entgegen – keine Sekunde zu früh. Die beiden Venatoren waren fast schneller als das Auge. Aber auch hier versagten die Geschosse nicht. Die Brusttreffer zerrissen die Oberkörper der Jäger und die Protosäurefontänen die daraufhin austraten verbrannten alles im Umkreis mehrerer Schritte – auch die vordersten Hormaganten die Clydonia gerade anspringen wollten. Das Refraktorfeld badete Clydonia in blaues Licht als dutzende Spritzer der Protosäure daran verdampften.
Unbeeindruckt schnappte sie sich den Werfer, machte auf dem Absatz kehrt und sprintete die Rampe wieder herauf. Direkt hinter Ihr ratschen Sensenklauen in den Aufgang wo sie gerade noch gekniet hatte. Eine unzählbare Masse Hormaganten schickte sich an die Schwester zu zerstückeln und war ihr hart auf den Fersen. Und obwohl das Feuer aus dem Festungswall jede Sekunde dutzende Kreaturen zerriss, waren die Biester direkt in ihrem Rücken. Horst feuerte voll-auto. Die Munitionsanzeige der Stimme sank schneller als man folgen konnte. 27 – 21 – 16 – 11 – 5 – 1 – Click.

Die Hormaganten sprangen über ihre zerstückelten Kameraden fort und Sensenklauen ratschten über Clydonias Rücken – mit einem Kreischen und Funkenregen blinkte das Refraktorfeld aus, die kleine Energiequelle in dem Rosarius erschöpft. Noch drei – vier Schritte trennten Clydonia von der Pforte – aber die Hormaganten saßen ihr direkt im Nacken. Horst sah es kommen.

Die Zeit wurde zähflüssig. Jeder Schritt Clydonias dauerte Sekunden – die Hiebe der Hormaganten fuhren in Zeitlupe hernieder. Host fasste mit Links in die Holzkassette und seine Finger schlossen sich um das letzte Höllenfeuergeschoss. In einer merkwürdig flüssigen Bewegung schob er das Geschoß ins Patronenlager während er schon ungezielt abgedrückt hatte und der Verschluss nach vorne schnellte um den noch nicht vorhandenen Bolt abzufeuern. In allerletzte Sekunde verschwand der Bolt im Lager und wurde fast gleichzeitig abgefeuert. In einer sich langsam ausbreitenden Feuerwolke sprintete der Bolt durch die Luft, direkt auf Clydonia zu. Der Hormagant direkt hinter ihr schlug seine Sensen kreuzweise in ihren Rücken – zerfetzte ihr Rückenmodul und stieß sie stolpernd nach vorne. Mit dem schweren Werfermodul auf der rechten Schulter aus dem Gleichgewicht, stolperte die Schwester und riss den linken Arm hoch um Selbiges wieder zu erlangen – das Höllenfeuergeschoss schob sich direkt zwischen Brustpanzer und Achselhöhle hindurch und detonierte im Schlund des Hormaganten der gerade hinter ihr zustieß.

Die Zeit setzte ruckartig wieder ein. Die Explosion des Höllenfeuergeschosses zerriss den Ganten und warf seine Kumpane zurück – schleuderte Clydonia durch die Pforte in die Vorhalle und badete alle am Tor in Protosäure. Heiße Spritzer ergossen sich über das Tor, fegten Horst über Schulter und Helm, badeten Clydonias Rücken und Nacken. Prioris Palmyra warf die Pforte krachend zu.

***


Ein Knistern und Blubbern begleitete das Fressen der Protosäure und Horst riss sich den Helm vom Kopf – trotzdem gelangten ihm winzige Spritzer ins Gesicht, die tiefe Furchen hinein fraßen. Clydonia zappelte kreischen auf dem Bauch – ihrer Energiezufuhr beraubt schloss die Servorüstung das junge Mädchen ein wie eine Zwangsjacke aus Blei. Blubbernd fraß sich die Protosäure durch die Reste des Rückenmoduls und drohten auf die Rüstung selbst überzugreifen. Prioris Palmyra sprang hinzu, entkoppelte das Rückenmodul und stieß es weg – zischend landete es in einer Ecke am Tor.

Schmerzverzerrt kam Horst auf die Beine, wankte zu Clydonia herüber und half ihr auf die Füße – eine ziemliche Leistung in einer unbestromten Servorüstung. Keuchend starrten sie sich in die Augen, dann fiel ihm Clydonia um den Hals. Lauter Jubel aus zahlreichen Kehlen lies die Beiden herumfahren – fast die ganze Restbesatzung der Festung war in der Vorhalle zusammengekommen und Canoness Priscillia trat lächelnd auf die Beiden zu. Horst kniete nieder und Clydonia hob etwas unbeholfen Läuterer der Pein vom Boden auf. Dann kniete sie ebenfalls nieder und streckte die Waffe ihrer Ordensmeisterin entgegen. „Wahrlich, der Imperator war mit dir, an diesem Tag.“ „Ich lebe um zu dienen. Ich selbst habe wenig getan,“ antwortete Clydonia. Die Canoness nahm den Flammenwerfer entgegen. „Und doch hast du außergewöhnlichen Mut und Glauben demonstriert. Dein fester Glaube an unseren geliebten Imperator ließ dir seinen Schutz zukommen,“ und dabei sah sie Horst an. „Seine Wege sind manchmal rätselhaft, aber immer effektiv. Dies ist ein wahrer Sieg für den Glauben, der nicht schnell vergessen werden wird.“

Clydonia stand auf. „Ich bete, dass diese Reliquie würdige Hände finden wird die damit noch lange das Licht des Imperators vorantragen werden.“ Canoness Priscillia lachte leise. „Aber das hat sie doch schon.“ Und damit reichte die Canoness den Flammenwerfer an die junge Schwester zurück.


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Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Das hat er noch nie getan. Das der Zweck die Mittel heiligt war seit jeher die Ausrede aller Versager die versuchten ihr illegitimes Handeln vor ihren Vorgesetzten zu rechtfertigen. Seit jeher hat nur der Erfolg die Mittel geheiligt...



Kolchis XVII

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06.01.2019, 22:56

Kapitel XIX


Spoiler


- Immaterium -
In Transit
Übungsdeck der Mirage


Obwohl man konkret nicht viel tun konnte außer der bedrängten Welt so schnell wie möglich zu Hilfe zu eilen, hatte Darius doch eine Anzahl an Übungen angesetzt, deren Hauptziel es war das Kill-Team zusammenzuschweißen und die Koordination mit den Gardistentrupps zu harmonisieren. Dazu hatte er verschiedenen Trainingsscenarios ausgearbeitet und mehrfach durchspielen lassen, was die Gardisten ganz schön ins Schwitzen brachte. Aber er schonte auch sich selbst und das Team nicht – alle Übungen verfügten über Elemente an denen Astartes Schlüsselfunktionen einnahmen und dabei genauso gefordert waren wie die regulären Truppen. Die Techpriester und Bruder Beor hatte alle Hände voll zu tun um die zerstörten Kampfservitoren wieder funktionsfähig zu bekommen. Und obwohl sich die Trainingsleistungen immer mehr verbesserten und die Mannschaft langsam zusammen wuchs blieb doch ein Problem bestehen.

Nach einem besonders langen Trainingseinsatz saßen Bruder Choptas und Darius zusammen um die Auswertung durchzugehen. „Besser,“ meinte Choptas, „das ist schon viel besser. Die Koordination mit den Trupps läuft jetzt fast reibungslos – sie haben endlich begriffen wie das Team unter Eurer Leitung funktioniert.“ „Ja,“ Darius seufzte, „bleibt nur ein Störfaktor.“ Choptas nickte wissend. „Was gedenkt ihr dagegen zu tun?“ Darius rieb sich das Kinn. „Ich fürchte es gibt nichts was ich sagen könnte, das hier hilft. Da ist er wirklich beratungsresistent. Da gibt es nur einen Weg – Selbsterkenntnis.“ Choptas lächelte. „Dummerweise stellt die sich aber nicht auf Wunsch ein. Das ist ein Reifungsprozess an deren Anfang er erst steht. Doch so viel Zeit haben wir nicht.“ „Tja, dann werden wir der Erkenntnis mal auf die Sprünge helfen müssen.“

***


Darius stand vor der versammelten Kampfmannschaft der Mirage – den zehn Gardistentrupps sowie dem Kill-Team. „Bevor wir mit dem einsatzspezifischen Übungen beginnen, die in diesem Fall nur das Kill-Team sowie maximal einen Gardistentrupp umfassen werden, wollte ich noch einmal die Gelegenheit nutzen und Ihnen allen meine Anerkennung für die in den letzten Wochen gezeigten Leistungen aussprechen. Wir haben einen Übungsstand erreicht auf den Sie stolz sein können Hauptmann Karyll, und auf dem man aufbauen kann.“ So viel Lob waren die Gardisten wohl nicht gewohnt und ihre Gesichter strahlten.

„Deshalb habe ich als Abschlussübung, sozusagen als Leistungstest, eine Jahrtausende alte Übungsform gewählt, die schon existierte noch bevor der Mensch zu den Sternen aufbrach. Hier werden wir Leistungsbereitschaft, taktisches Geschick und strategische Planung in ihrem Zusammenwirken überprüfen können: Capture the Flag. Zwei gleiche Teams treten gegeneinander an, bemüht die eigene Flagge zu verteidigen und gleichzeitig die des Gegners zu erobern. Gewonnen hat das Team, das als erstes die Flagge des Gegners berührt. Waffenintensität bei dieser Übung ist GELB. Dazu treten Trupps 1-5 gegen 6-10 an. Ich übernehme das Team Rot, und Team Blau wird… Bruder Raymon führen. Wen aus dem Kill-Team wählt ihr zur Unterstützung, Bruder?“

Bruder Raymons Grinsen glich dem eines Haifisches. „Bruder Aaron und Bruder Choptas werden meinem Team zum Sieg verhelfen,“ stellte der junge Marine mit Bestimmtheit fest. „Gut. Anbei das Layout der Übungshalle mit allen Hindernissen, Toren und Gängen. Damit das Gelände keinen Einfluss auf die Siegchancen hat, haben unsere Freude vom Mechanikum es spiegelsymmetrisch aufgebaut. Jedes Team hat 30 Min. um einen Schlachtplan auszuarbeiten. Ab 0900 Schiffszeit dann Beginn der Übung – alle Trupps starten von der Plattform der eigenen Fahne aus. Da die Rote Fahne am anderen Ende der Halle aufgepflanzt wurde begebe ich mich nun mit Beor, Hauptmann Karyll und den Trupps 1-5 dorthin. Noch Fragen? Los geht’s.“

Stramm marschierte Darius mit Beor und den anderen Trupps quer durch die vollgestellte Halle. Sie war absichtlich zugestellt worden um ein Wirrwarr an Durchgängen, Plätzen, Umwegen und Brücken, Plattformen und Übergängen zu schaffen, das die strategische Planung und die taktische Ausführung eines jeden Schlachtplans möglichst komplex machte. Deshalb musste sich die rote Truppe auf Umwegen durch die Halle schlängeln, was Beor Zeit gab die Motive Darius‘ zu hinterfragen. „Hmmmm. Mir ist schon klar;“ brummte der Wolf, „dass wir diese Übung vornehmlich für unseren jungen Kreuzritter unternehmen, um ihn ein wenig Demut zu lehren, aber mir ist nicht ganz klar wie du das machen willst.“ „Indem ich ihm genau den Kampf liefere, den er will, und ihn trotzdem scheitern lasse.“ „Tja,“ Beor nahm einen Handschuh ab und betrachtete die Nägel seiner Pranken, „aber er hat gut gewählt. Bruder Aaron wird sich in unseren Gefechtsfunk hacken, egal was wir unternehmen, und selbst wenn wir Funkstille halten weis Bruder Choptas immer genau wo wir sind – und wir kämpfen blind.“ Darius winkte ab. Sie hatte die kleine erhöhte Plattform am Ende der Halle erreicht auf der eine mannshohe Fahnenstange mit rotem Wimpel im Wind der Atmosphärenumwälzung flatterte.

„Keine Sorge, ich denke ich schätze unseren Kreuzfahrer schon richtig ein – und darüber hinaus traue ich Aaron und Choptas schon zu ihn zwar fair, aber nicht übermäßig vorteilhaft und letztendlich in meinem Sinne zu beraten. Also, wir machen folgendes…“


***


Darius schlich sich mit einem Trupp Gardisten durch das abgedunkelte Gewirr der Halle. Sie reduzierten Funkkontakt auf ein Minimum um ihre Bewegungen nicht zu verraten, aber sie mussten doch ab und zu ihre Positionen koordinieren, um nicht in einen Hinterhalt zu geraten. Das gelang ganz gut und über drei Stunden hinweg lieferten sich die beiden Teams im Dunkel der Halle ein Katz und Maus Spiel, ab und zu unterbrochen von heftigen Feuergefechten. Beide Seiten hatten „Verluste“ erlitten doch Darius konnte sich etwas besser in Richtung Flagge Blau positionieren und so langsam war er der Meinung das Spiel beenden zu müssen. Er machte ein paar Handzeichen und gab seinem Trupp somit zu verstehen, dass sie die Verteidigungsstellung von Blau auf den nächsten Platz gleich überrennen würden, um dann konzentriert gegen die Blaue Flagge vorstoßen zu können.

Der rote Trupp sprang plötzlich vor und Darius in seiner Servorüstung als Deckung nutzend stürmten sie über den Platz, überrumpelten die paar Verteidiger die dort auf der Lauer gelegen hatten und stürmten dann weiter vor – nur um urplötzlich in ein Lasergewitter zu stolpern, das alle Gardisten bis auf Darius „ausschaltete“. „Sieh an, sieh an – da versucht doch tatsächlich der Führer von Rot sich selbst die Blaue Flagge zu holen.“ Bruder Raymon kam, sein Breitschwert lässig über eine Schulter gelegt, um einen gegenüberliegenden Container herumstolziert. Er gestikulierte mit dem Zeigefinger in Richtung Darius, der inmitten seiner „Leichen“ auf dem kleinen Rondell vor der Plattform Blau stand. „Ziemlich clever uns mit dem Funk so an der Nase herumzuführen, aber zum Glück konnte mir Bruder Choptas genau sagen was ich wissen wollte.“ Bruder Raymon machte ein paar Probeschwünge mit dem Breitschwert und schritt auf Darius zu – zwei Trupps Gardisten Blau flankierten ihn und richteten Ihre leistungsreduzierten Laser auf Darius.

„Ich glaube sie erwähnten etwas von ‚Revanche‘ Hauptmann?,“ dozierte Raymon weiter, „nun, sobald ich das hier zum Abschluss gebracht habe hole ich mir den roten Wimpel.“ Darius lies demonstrativ lässig seinen Bolter zu Boden gleiten und zog langsam sein Gladius. „Nur zu, du junger Heißsporn, in diesem alten Sack ist noch Leben,“ entgegnete er gelassen und ging in eine defensive Kampfhocke. Der Black Templar ließ sich nicht lange bitten. Mit einem Klingenwirbel stieß er auf Darius nieder und der versuchte erst gar nicht sich den Künsten des jungen Schwertmeisters zu stellen – zum Glück hatte er hier etwas mehr Platz als beim letzten Mal im Übungskäfig. Es wurde eine muntere Abwehrschlacht und Bruder Raymon scheuchte Darius über den Platz – der seine höhere Beweglichkeit nutzte um dem Nahkämpfer immer einen Schritt voraus zu bleiben.

Irgendwann gelang es Bruder Raymon dann doch Darius in die Enge zu treiben und nach einem weitere kurzen Austausch von Artigkeiten lag Darius mal wieder auf dem Rücken und Bruder Raymon lächelte ihn verschmitzt und überlegen an. Der wollte gerade zu einer abfälligen Bemerkung ausholen als plötzlich die Deckenscheinwerfer in der ganzen Halle aufleuchteten und ein durchdringender Signalton ertönte. „Übungsende,“ krächzte die heisere Stimme des Mechanikumadepts der die Übung leitete aus allen Lautsprechern, „Sieg für Rot.“ Entgeistert wirbelte Bruder Raymon herum nur um Beor zu sehen, wie er mit der blauen Fahne in der Hand ihm freundlich zuwinkte. Darius stand auf und gesellte sich zu dem völlig verdatterten Marine. „Wie hieß doch gleich die Übung?,“ fragte Darius lakonisch. „Capture the Flag,“ erwiderte Bruder Raymon tonlos. „Genau. Capture the Flag, nicht Kill the Leader.“ „Wie habt ihr das gemacht?“

Darius sah den jungen Marine durchdringen an. „Indem ich korrekt vorhergesagt habe wie das hier laufen würde. Und als unser kleiner Tanz dann begann und ihr abgelenkt ward, hat Beor seine Trupps schnell umdisponiert, einen kurzen Flankenmarsch hingelegt und eure Fahne von der Flanke aus erobert. Persönlicher Ruhm, ja sogar überleben ist nicht immer für den Sieg erforderlich. Und am Ende zählt nur der Sieg. Denkt darüber nach Bruder.“ Und damit klopfte Darius Bruder Raymon anerkennend auf den Schulterpanzer und marschierte zu Beor hinüber um den Sieg mit ein paar Kannen Met zu begießen.

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Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Das hat er noch nie getan. Das der Zweck die Mittel heiligt war seit jeher die Ausrede aller Versager die versuchten ihr illegitimes Handeln vor ihren Vorgesetzten zu rechtfertigen. Seit jeher hat nur der Erfolg die Mittel geheiligt...